Kann man mit Gesangsunterricht das Singen lernen? Auch wenn man keine Töne korrekt singt oder nachsingen kann!

Dr. Karin Wettig, Vocal Coaching, Gesangsunterricht
Dr. Karin Wettig, Gesangsunterricht

 

Kann man mit Gesangsunterricht das Singen lernen, selbst wenn man keinen Ton halten kann und irgendwie falsch singt….?

 

Diese Frage bewegt sehr viele Menschen. Ich habe sie oft in meinen Grouponkursen vor einiger Zeit gestellt bekommen. Es kamen auch Teilnehmer/innen, die sich woanders nie getraut haben, um Unterricht zu bitten und oft ausgelacht wurden, weil sie keinen Ton so richtig nachsingen konnten.

Aus fachlicher Sicht und aus der Praxis hier eine Antwort: wer gern singt, obwohl andere behaupten, er könne nicht singen, sollte sich das Vergnügen nicht nehmen lassen und wenn es auch nur in der Badewanne oder im Auto ist. Mich haben diverse Chorleiter demotiviert und nach hause geschickt trotz großer Musikalität, weil meine Stimme zeitweilig einfach klemmte und die Intonation nicht fand. Nur weil ich mich nie entmutigen ließ, bin ich auf meiner Abenteuerreise zur authentischen Stimme zur Gesangsexpertin geworden.

Spaß am Singen ist die Hauptsache und hilft den Ton zu finden.

**Singen, Intonation und Musikalität

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Hier nun aus wissenschaftlicher Sicht eine Antwort zum heiklen Thema Singen.

 

Es gibt so gut wie keine unmusikalischen Menschen, die wirklich nicht hören können, ob der Ton falsch oder richtig ist.Das ist in wissenschaftlichen Versuchen schon vor Jahren bewiesen worden, als man das absolute Gehör von Kleinkindern erforschte.

 

In meinen Groupon- Kursen war eine Mutter zweier musikalischer Söhne, die sich mit 3-5 Jahren beschwerten, wenn sie ihnen Abendlieder am Bettchen vorsang und sie baten aufzuhören. Die junge Mutter war folglich schockiert und las dann lieber Geschichten vor. Beim Testen ihrer Stimme zeigte sich eine wunderschöne Naturstimme, jedoch eine fehlende Sensibilität, die Tonhöhe genau zu hören. Mit etwas liebevollem Training wurde das wesentlich besser, weil sie lernte, ihren Tonansatz im Körper durch die Muskeln zu orten und auch mit dem Ton am Instrument zu vergleichen.Ihre Söhne waren schon mit Musikalität auf die Welt gekommen und waren ihr deswegen haushoch überlegen. Trotzdem musste sie nicht auf das Singen verzichten.

 

Ein anderer Fall aus meiner Praxis war eine junge Frau, die sich sehnlich wünschte, für Ihre Mutter zum Geburtstag irgendwann ein Ave Maria singen zu können. Leider kamen ihre Töne trotz der schönen Stimme immer unsicher und irgenwie falsch heraus. Beim Nachfragen stellte sich heraus, dass sie im Alter von 3-6 Jahren aufgrund eines brutalen, körperlichen Mißbrauchs durch einen Onkel im Rollstuhl gesessen hatte und fast keinen Ton herausbrachte aufgrund des großen Schocks. Da sie nicht sprach und sang in dieser Zeit, in der sich das Tonbewußtsein ausprägt, fehlten ihr einfach die Grundlagen, die Töne korrekt zuordnen zu können. Sie hatte keine Gesangstöne auf der "FEstplatte ihres Gehirns". Mit einigen Monaten gutem Basistraining für die natürliche Stimme konnte sie jedoch bald soweit kommen, ihrer Lernfähigkeit zu vertrauen und ihr Gehirn bildete die fehlenden Verknüpfungen, um Tonhöhen korrekt zuordnen und singen zu können. Das Problem ließ sich vollkommen beheben.

 

So kann ich diese Frage aus meiner Praxis positiv beantworten und sagen, es kommt einfach auf einen Versuch und die Geduld eines gut ausgebildeten Lehrers an. Es muss von Fall zu Fall festgestellt werden, woher diese Hemmschwelle oder dieser Mangel kommt und was in der Vergangenheit dazu geführt hat. Fehlendes Tonhöhengedächtnis ist normalerweise nicht angeboren.

Man kann auch unter Hypnose mit dem Unterbewußtsein fehlende Fähigkeiten trainieren. Doch das kann durchaus nicht jeder normale Gesangslehrer. Da muss man schon einen besonderen Trainer finden.

 

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"Singing like Callas & Caruso"

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