Belcanto - was macht die wahre Opernstimme aus?

Dr. Karin Wettig, Belcanto Stimmkurse München
Dr. Karin Wettig - Belcanto Stimmkurse München

BELCANTO - die vier Basiselemente des BELCANTO - Quartetts....

 

Dreimal A und einmal L -  Appoggio, Alto in Palato, Avanti und Lingua

 

Die italienische Gesangstechnik ist seit 1600 in der Praxis entstanden. Die wichtigsten Begriffe hier im Überblick und dazu eine kurze praktische Definition zum Selber Ausprobieren:

Die wichtigsten Grundelemente sind die drei großen A des Gesanges:

Appoggio - übersetzt die Anlehnung oder die Stütze,

 

jedoch nicht im Sinne von Treppengeländer, sondern durch die weite Aufspannung der Rippen nach der tiefen Einatmung. Der Rippenkasten bleibt einfach durch die Zwischenrippenmuskeln aufgespannt und durch das wie ein Trampolin auseinandergedehnte Zwerchfell. Da aller guten Dinge drei sind, kommt noch der Beckenboden in Verbindung mit dem SChambeinmuskel - Musculus Pyramidalis - dazu. So hat der Opernsänger bei seiner Stimmproduktion nicht nur ein doppeltes Netz wie der Akrobat, sondern eine dreifache Unterstützung.

Alto in Palato - das bedeutet am hochgestellten Gaumen entlang

 

Damit meint die italienische Schules des Belcanto einfach die Tatsache, dass bei den hohen Tönen der weiche Gaumen sich ganz aufspannen und dehnen muss wie ein aufgespannter Regenschirm. So hat der Ton an dieser Stelle eine Kuppel, auf die er trifft und von der er wieder abprallt. Das macht die silbrigen Obertöne aus

Avanti -

 

das bedeutet nicht nur - "nun komm schon" oder "nun los doch" - in der italienischen Umgangssprache, sondern auch vorn oder wie wir im Sängerjargon sagen, der Vordersitz des Tones.

 

Der Vordersitz des Tones ist wahrzunehmen, wenn der Ton aus dem Gesicht heraus weit in den Raum oder das Echo hineinklingt. Das Geheimnis des Vordersitzes ist zum einen der Tonansatz, er sollte sich mit vier Stellen verbinden - der Stirnresonanz, dem Ansatzpunkt hinter den oberen Vorderzähnen oder dem Punkt in der Mitte unter der Nase und der Brustresonanz hinter dem Brustbein und wenn möglich, der Nackenresonanz. Wenn bei der Tonerzeugung die Zunge so geformt wird, dass der Ton hauptsächlich direkt unter dem Gaumen und weit vorn ansetzt und von dort in den RAum springt, so fühlt es sich an, als würde man vor dem Gesicht singen und nicht aus der Kehle heraus. Das ist das große Geheimnis der italienischen Oper und mancher großen Sänger/innen, die das perfekt beherrschen. Maria Callas ist ein gutes Beispiel, auch Joan Sutherland oder Edita Gruberova.

Um den richtigen Ton, groß und wohlklingend, dazu raumfüllend zu treffen, dazu gehört wirklich einfach eine supertolle Körper- Atem- und Stimmbeherrschung. SOlche Naturtalente wie Jackie Evancho und andere TAlentshow -Gewinner sind eigentlich eher selten. Doch sie bringen einfach die natürlichen Voraussetzungen mit, haben eine korrekte Körperhaltung, singen mühelos und betrachten das Ganze als natürliche Lebensäußerung. Wer um die Töne ringen muss, hat es schwer, denn sein Körper und seine Stimme sind nicht von Natur aus einfach in der Balance.

Doch, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, mit gutem Training und geschickt entwickelter Stimmtechnik funktioniert alles. Das wichtigste Körperteil für den Opernsänger ist jedoch weder der Kehlkopf noch die Stimmbänder, noch das Zwerchfell, sondern die Beherrschung der Zunge.

 

Aus diesem Grund füge ich den drei A des italienischen Belcanto immer noch das

L für Lingua, die Zunge und die Sprache hinzu.

So ist das Quartett perfekt und hat auch alle Stimmlagen....Sopran, Alt, Tenor, Bass....

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von Dr. Karin Wettig

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